Pressemitteilungen

Pressemittteilung 3 (Oktober)

Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreis 2016 geht an Leitlinienforscher

Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) e.V. vergibt den Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreis in diesem Jahr an eine herausragende Arbeit aus dem Bereich der Leitlinienforschung. Ausgezeichnet wurden Dr. Christian Jacke, Prof. Dr. Ute S. Albert und Dr. Mathias Kalder für ihre Publikation „The adherence paradox: guideline deviations contribute to the increased 5-year survival of breast cancer patients“, die von der Autorengruppe 2015 veröffentlicht wurde.

Die Arbeit wurde aufgrund ihrer innovativen Fragestellung, der hohen Relevanz für die Patientenversorgung und der anspruchsvollen wissenschaftlichen Methodik ausgewählt. Die Autoren konnten auf der Basis der Auswertung von klinischen Krebsregistern zeigen, dass die Leitlinientreue in der Therapie des Brustkrebses in der untersuchten Stichprobe zugenommen hat. Paradoxerweise zeigen ihre Ergebnisse auch, dass die Überlebenswahrscheinlichkeiten von S3-Leitlinien-non-konform behandelten Patientinnen im Zeitverlauf massiv gestiegen sind und über dem Niveau von adhärent-behandelten Patientinnen in der Vergleichsperiode 1996-1997 lagen. Die Autoren werten das Adhärenzparadoxon als Hinweis auf die fachgerechte Anwendung von Leitlinien in zertifizierten Brustkrebszentren. Die Wissenschaftler sprechen sich für leitlinienbasierte Entscheidungen im Gegensatz zu einer reinen Adhärenz-Maximierung aus.

Der mit 2.500 € dotierte Preis wird in Gedenken an das DNVF-Ehrenmitglied Herrn Prof. Dr. Wilfried Lorenz vergeben. Prof. Lorenz hat sich viele Jahrzehnte um die Versorgungsforschung und hier insbesondere um die patientenzentrierte Outcomeforschung verdient gemacht. Die Vergabe des Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreises 2016 fand im Rahmen der Eröffnungsfeier des 15. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung, am Mittwoch, dem 5. Oktober in der Urania Berlin statt.

Über Wilfried Lorenz
Der Namensgeber des Preises, Prof. Wilfried Lorenz, studierte Medizin und promovierte in München, wo er 1969 für klinische Chemie habilitiert wurde. Ab 1970 war er Leiter der Abteilung für experimentelle Chirurgie und pathologische Biochemie an der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums. Dort leitete er ab 1998 das Institut für Theoretische Chirurgie an der Philipps-Universität Marburg. Über tausend wissenschaftliche Beiträge, meist in Englisch und Deutsch, aber auch in Französisch und Spanisch, zeugen von seiner großen Schaffenskraft. Er war Ehrenmitglied des Deutschen Netzwerks und auf dem Gebiet der Versorgungsforschung wegbereitend tätig. Zahlreiche nationale und internationale Ehrungen bezeugen seine hohe Reputation, so das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und die Euricius-Cordus-Medaille der Marburger Universitätsmedizin für sein Lebenswerk. Prof. Wilfried Lorenz ist 2014 nach langer, mit viel Mut und innerer Stärke ertragener Krankheit verstorben.

Pressemitteilung 2 (Oktober)

Von der Versorgungsforschung in den Versorgungsalltag – Experten fordern besseren Erkenntnistransfer

Berlin, 05.10.2016. Medizinische Innovationen und neue Erkenntnisse zur Verbesserung der Krankenversorgung kommen oft nicht beim Patienten an. Zu diesem Schluss kamen Versorgungsforscher auf der Eröffnungspressekonferenz des 15. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung (DKVF) in Berlin. Die Experten forderten, dass künftig der unmittelbare Nutzen medizinischer Maßnahmen für den Patienten stärker in den Fokus von Forschung und Gesundheitspolitik rückt. Dabei gehe es nicht nur um die medizinisch messbare Verbesserung des Gesundheitszustandes, sondern unter anderem auch um eine aus Patientensicht angemessene Lebensqualität.

Die Bedeutung der Lebensqualität für die Patienten erläuterte die Kongresspräsidentin des DKVF 2016, Priv.-Dozentin Dr. Monika Klinkhammer-Schalke, am Beispiel der Brustkrebsnachsorge. „Wenn man auf gemessene Defizite nach der operativen Behandlung reagiert und den Betroffenen Experten zur Seite stellt, die ihnen bei der Überwindung ihrer Defizite helfen, dann berichten die Patientinnen nach einer bestimmten Zeit auch tatsächlich über eine bessere Lebensqualität.“ Das getestete Programm zur Unterstützung in der Brustkrebsnachsorge wurde mit großer wissenschaftlicher Sorgfalt entwickelt und in einer randomisierten Studie getestet. Klinkhammer-Schalke: „Die Studienergebnisse belegen den Nutzen des Programms. Im nächsten Schritt geht es um die flächendeckende Implementierung dieses Behandlungspfades in die Routineversorgung.“

Viele Wege sind denkbar, um medizinische Innovationen in der Routine-Versorgung zu etablieren. In Deutschland reicht das Spektrum von ärztlichen Qualitätszirkeln bis hin zu Selektivverträgen der Krankenkassen mit Einrichtungen, die bestimmte medizinische Leistungen erbringen. Doch letztlich fehlt eine systematische Entwicklung von Implementierungsstrategien, besonders bei neuen Versorgungspfaden oder -strukturen. „Wir brauchen grundsätzlich mehr Evaluation der Behandlungsergebnisse und -abläufe und auch mehr Forschung zur Entwicklung neuer Versorgungskonzepte“, erklärte Prof. Michel Wensing, Versorgungsforscher am Universitätsklinikum Heidelberg.

Doch selbst wenn wissenschaftliche Erkenntnisse durch exzellente Studien belegt sind und sich in Pilotprojekten bewährt haben − die Entscheidung darüber, welche medizinischen Innovationen in die Regelversorgung übernommen werden, fällt am Ende im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Dort entscheiden die Kassen(zahn)ärztlichen Bundesvereinigungen, der GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft über die Aufnahme medizinischer Maßnahmen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Prof. Edmund Neugebauer, Vorsitzender des Netzwerks Versorgungsforschung e.V. und Dekan der Medizinischen Hochschule Brandenburg, konstatierte: „Bei der Entscheidung über die Übernahme einer medizinischen Leistung in die Regelversorgung spielen oft Faktoren eine Rolle, die über die rein wissenschaftlich-medizinischen hinausgehen. Ich hoffe, dass die

Politik mit genügend wissenschaftlicher Evidenz künftig nachdrücklicher auf die Selbstverwaltungspartner einwirken kann, damit sich die Innovationen durchsetzen, die dem Patienten unmittelbar nutzen.“

Aus Sicht der Gesundheitspolitik ist die Versorgungsforschung ein unverzichtbares Instrument zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens. Hierzu erklärt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: „Wir haben in Deutschland eine sehr gute Gesundheitsversorgung. Angesichts der steigenden Zahl älterer, chronisch und mehrfach erkrankter Patientinnen und Patienten brauchen wir aber neue Versorgungsangebote, um unser Gesundheitswesen noch weiter zu verbessern. Hierfür ist Versorgungsforschung mit einem engen Praxisbezug eine wichtige Grundlage. Der Nationale Krebsplan ist ein gutes Beispiel, wie Versorgungsforschung gesundheitspolitische Programme erfolgreich unterstützen kann. Durch einen Innovationsfonds mit jährlich 300 Millionen Euro treiben wir die sektorenübergreifende Versorgung und die Versorgungsforschung weiter voran.“ Im Rahmen des Innovationsfonds werden die Versorgungsforschung und innovative Versorgungsmodelle gefördert, die einen deutlichen Nutzen für die Patienten bringen und die Befähigung haben, dauerhaft in die GKV-Versorgung aufgenommen zu werden. Von 2016 bis 2019 stehen jährlich 225 Millionen Euro für neue Versorgungsformen und 75 Millionen Euro für die Versorgungsforschung bereit. In Zukunft wird die Versorgungsforschung auch eine immer wichtigere Rolle bei der Vorbereitung, Durchführung und Bewertung gesundheitspolitischer Maßnahmen spielen. So wurde im Nationalen Krebsplan die anwendungsbezogene Versorgungsforschung im Rahmen eines Förderschwerpunkts des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zur Klärung offener Fragen herangezogen. Auch bei den vom BMG geplanten Maßnahmen der Diabetesbekämpfung kommt der Versorgungsforschung eine Schlüsselrolle zu. Im Mittelpunkt steht hierbei der Aufbau eines nationalen Diabetes-Surveillance-Systems beim Robert Koch-Institut.

Der 15. Deutsche Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) 2016

Der DKVF 2016 findet vom 05. bis 07. Oktober 2016 in Berlin statt. Unter dem Motto „Wissen schaf(f)t Nutzen“ kommen Ärzte, Wissenschaftler und Vertreter aus Krankenkassen, Verbänden sowie der Gesundheitspolitik zusammen, um über die jüngsten Entwicklungen in der Versorgungsforschung zu diskutieren. Der Kongress wird vom Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung e.V. ausgerichtet. Mehr Informationen unter www.dkvf2016.de und www.netzwerk-versorgungsforschung.de

Pressekontakt
Dr. Katrin Mugele
i.A. des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung e.V.
c/o IMVR, Eupener Str. 129, 50933 Köln
Tel: +49 (0)162 2077559
E-Mail: dkvf-presse@dnvf.de

Pressemitteilung 1 (Mai)

10 Jahre Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e.V.
4. DNVF-Forum Versorgungsforschung am 7. Juni in Berlin zu den Herausforderungen 2020

Berlin, 2. Juni 2016. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung e.V. (DNVF), das am 06. Mai 2006 in Berlin von 26 Fachgesellschaften gegründet wurde und mittlerweile über 100 institutionelle und mehr als 100 persönliche Mitglieder umfasst, findet am 07.06.2016 die Feier zum 10- jährigen Jubiläum im Langenbeck-Virchow-Haus statt. Inhaltlich wird das Ereignis mit dem in die Zukunft gerichteten 4. DNVF-Forum Versorgungsforschung zum Thema „Die Qualitätsoffensive der Bundesregierung – aktuelle Herausforderungen für die Versorgungsforschung“ verbunden.

Der Fokus liegt auf der „Versorgungsforschung 2020“, den Anforderungen und Erwartungen an das Fachgebiet. Vertreter aus der Wissenschaft, der Versorgungspraxis, der Patienten, der Kassen und der Gesundheitspolitik sind eingeladen, ihre Erwartungen an die Versorgungsforschung 2020 darzulegen und zu diskutieren. Die Diskussionen werden dazu beitragen einen vom DNVF geplanten Strategieprozess zu Versorgungszielen von GKV-Versicherten in Deutschland zu unterstützen.

Die Versorgungsforschung befindet sich derzeit in einem dynamischen Entwicklungsprozess. Sie hat sich in den letzten Jahren in Deutschland in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und als Forschungsgebiet (4. Säule der Gesundheitsforschung) fest etabliert. Gleichzeitig sind damit auch die Erwartungen an die Versorgungsforschung, vor allem von gesundheitspolitischer Seite, enorm gestiegen. Hierzu werden Herr Staatssekretär Stroppe (Bundesgesundheitsministerium) und Frau Dr. Klakow-Franck (Gemeinsamer Bundesausschuss) ihre Sichtweisen darstellen. Aus Sicht des Wissenschaftsministeriums (BMBF) wird Frau MinR‘in Dr. Loskill die wissenschaftlichen Anforderungen und Erwartungen formulieren. Die Patientenzentrierung, die qualitätsorientierte Krankenhausplanung und Vergütung sowie die Notwendigkeit wirkungsvoller struktureller Innovationen (u.a. die sektorübergreifende Versorgung, neue Arbeitsteilung im Gesundheitswesen, Regionalmodelle und patientennahe Qualitätsmessung) und der internationale Vergleich werden im Vordergrund der Diskussionen mit den weiteren Podiumsteilnehmern (Prof. Dr. Busse, Prof. Dr. Hoffmann, Dr. Köster-Steinbach, Dr. Baas, Herrn Bublitz) stehen. Die Versorgungsforschung sieht sich hierdurch der Notwendigkeit gegenüber, ihre konzeptionellen und methodischen Grundlagen kontinuierlich nachvollziehbar weiterzuentwickeln.

Rückblick und Zukunft geben sich die Hand. Herr Prof. Dr. Dr. Scriba (Ehrenmitglied des DNVF) und der Gründungsvorsitzende des DNVF Herr Prof. Dr. Pfaff werden hierzu referieren. Zu dem anschließenden Gettogether nach den Vorträgen sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung herzlich willkommen.

Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung e.V.

Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung e.V. (DNVF) wurde 2006 als gemeinnütziger Verein in Berlin gegründet. Es ist die Plattform für den Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik. Im Netzwerk führen Wissenschaftler den Diskurs über die Methoden in der Versorgungsforschung, ihre Angemessenheit, die Qualität und die Definition von Mindeststandards. Das Netzwerk fordert und fördert die Verbesserung des Datenzugangs und der Qualität von Daten für die Versorgungsforschung sowie die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Versorgungsforschung. Es setzt sich für die Transparenz der Ergebnisse und den Transfer dieser in die Versorgung ein. Darüber hinaus fördert das DNVF den wissenschaftlichen Nachwuchs durch die Bildung interdisziplinärer Arbeits- und Fachgruppen zu übergreifenden Themen der Versorgungsforschung. Das DNVF steht als multidisziplinäres und interprofessionelles Netzwerk allen offen, die an einer Weiterentwicklung der Gesundheits- und Krankenversorgung auf der Basis von die an einer Weiterentwicklung der Gesundheits- und Krankenversorgung auf der Basis von wissenschaftlichen Studien und Ergebnissen der Versorgungsforschung interessiert sind.

Link zum kompletten Programm am 7. Juni, ab 12.30 Uhr

Pressekontakt zum 4. DNVF-Forum Versorgungsforschung Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) e.V.

Dr. Gisela Nellessen-Martens
Geschäftsführerin
Eupener Str. 129
50933 Köln

Tel. 0221-478-97115
E-Mail: dkvf-presse@dnvf.de
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